KUNSTunterHALTUNGEN
Die KUNSTunterHALTUNGEN e. V. wurden aus dem
Interesse heraus initiiert, Gespräche über Haltungen zur Kunst in Gang zu
setzen. Im Unterschied zur herkömmlichen Kunstvermittlung über Fachexperten
soll im direktem Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern ein anderer
unmittelbarer Zugang zur Kunst hergestellt werden. Die KUNSTunterHALTUNGEN
sind ein einmal jährlich stattfindendes Symposium an wechselnden Orten. Die
Veranstaltungsorte sind nicht beliebig, sondern verweisen inhaltlich auf die
jeweils gewählte Thematik, ebenso wie sich die Auswahl der eingeladenen
KünstlerInnen am Thema orientiert.Die Veranstaltung am 2. Oktober 99 mit dem
Thema "Das Eigene und das Fremde" im Naturkundehaus des Tiergartens
der Stadt Nürnberg war ein voller Erfolg. Die Besucher unterhielten sich im
Anschluss an die Podiumsdiskussion in langen Gesprächen untereinander und mit
den Teilnehmern. Aus dieser positiven Erfahrung heraus beschlossen die
Veranstalter, einen Verein zu gründen, der als Träger für die weiteren KUNSTunterHALTUNGEN dienen soll. Der Verein
wurde am 8. Februar 2000 gegründet. Er ist als gemeinnützig anerkannt.
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1.
Vorsitzender: Johannes L.M. Koch, Niederlindach,
Stahlbildhauer Die Anschrift des Vereins
ist: |
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Interessenten können sich an diese
Anschrift wenden oder eine E-Mail schicken.
Gerne informieren wir auch per
Telefon oder Fax.
Konstruktionen von Wirklichkeit
Die zweite KUNSTunterHALTUNG, die am 21.Oktober 2000 in
Erlangen stattfand, setzte sich mit "Konstruktionen von Wirklichkeit"
auf dem Gebiet der Kunst auseinander. Begleitend zu den KUNSTunterHALTUNGEN präsentierte eine
Ausstellung einige Arbeiten bzw. Beiträge der teilnehmenden Künstlerinnen und
Künstler.
Die Auffassung, dass unser Erkennen von Welt stets ein
Erschaffen, Erzeugen bzw. Erfinden, eben eine Konstruktion von Wirklichkeit.
ist, wird mittlerweile von einer großen Anzahl wissenschaftlicher
Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Disziplinen gestützt und
vertreten. Konstruktivistische Positionen besagen, dass unser Blick auf die
Welt nicht von außen, aus einer übergeordneten Perspektive möglich ist und dass
nichts wahrgenommen, dargestellt oder gewußt werden kann, was nicht
"erfunden", das heißt auf der Basis unseres physischen Apparates und
unserer psychischen Verfassung wahrgenommen wird. Erkenntnis entsteht durch die
Ordnung und Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres Erlebens. Aus
konstruktivistischer Sicht ist es unmöglich, jene scheinbar objektive
physikalische (Außen-)Welt "realitätsadäquat" zu erkennen, insofern
wir stets nur mit unseren eigenen, menschlich erzeugten
Wirklichkeitskonstruktionen umgehen und auch nur diese reflektieren können.
Nicht nur die
wissenschaftlichen Theorien sondern auch unsere persönlichen Lebenserfahrungen
bestätigen uns alltäglich, dass es keine objektive, wertfreie Sichtweise auf
Wirklichkeit gibt, sondern immer nur subjektgebundene, wechselnde Perspektiven.
Dies gilt selbstverständlich auch für die Kunst. Sowohl KünstlerInnen als auch
RezipientInnen gehen immer schon mit vorgegebenen Welt- und Erklärungmodellen
um. Diese sind, wie die Geschichte der Kunst zeigt, keineswegs statisch,
sondern zeitabhängig und veränderbar. Ging man in früheren Epochen von einer
prinzipiellen Abbildbarkeit von Wirklichkeit aus, etwa in der Fotographie oder
bei naturalistischen Darstellungen, so bestreitet heute niemand mehr, dass
jedes Kunstwerk arrangiert, gemacht, inszeniert ist und somit eine Konstruktion
von Wirklichkeit präsentiert. Eine künstlerische Arbeit funktioniert, so
selbstbezüglich die einzelnen Zeichen auch angelegt sein mögen, nie
ausschließlich nur im Kunstkontext. Sie läßt sich nur dann möglichst umfassend
erschließen, wenn sie gedanklich und emotional mit außerkünstlerischen,
gesellschaftlichen Realitäten kurzgeschlossen wird.
Da unsere Welt heute
zunehmend eine von Medien dominierte Welt ist, die sich kaum mehr unvermittelt
erleben läßt, beeinflussen insbesondere Bilder, neben der Sprache, unsere
Vorstellungen von Wirklichkeit. Bilder gehen ein in unseren
Erinnerungsspeicher, werden im kollektiven Gedächtnis aufbewahrt und für neue
Interpretationen von Wirklichkeit verfügbar. Auch die Produktion und Rezeption
von Kunst wird von diesen bereitgestellten Bildern geleitet. Dass die
Wahrnehmungs- und Erfahrungsformen nicht nur durch die jeweiligen Medien
organisiert werden, sondern dass diese auch unser Denken und unsere Handlungen
strukturieren, hat schon der Medientheoretiker Marshall McLuhan erkannt. Die
neuen Technologien und Medien bringen folglich auch neue
Wirklichkeitsvorstellungen ins Spiel, die wiederum auf unsere
Lebenswirklichkeit einwirken, unser Wahrnehmen, Denken und Handeln bestimmen.
Wie nun gehen
KünstlerInnen mit dieser massiven Einflußnahme der Medien auf unser Bild von
der Wirklichkeit um? Ist heute die künstlerische Auseinandersetzung mit den
Wirklichkeitsentwürfen der Medien vielleicht eine der wichtigsten
Herausforderungen an die Kunst? Begreifen KünstlerInnen ihr Tun, ihre
Interventionen im öffentlichen Raum, als Dekonstruktion von gesellschaftlichen
Wirklichkeitskonstruktionen? Arbeiten sie daran, bislang Ausgegrenztes in ihre
Bilder hereinzuholen oder reproduzieren KünstlerInnen vielmehr die
dominierenden kulturellen Standards und Ästhetiken westeuropäischer Kunst?
Anders ausgedrückt: Orientiert sich aktuelle Kunst an den Geschmacksbildungen
einer Kunstelite oder versucht sie diese zu unterminieren, indem Kunstwerke
kritisch und subversiv andere Perspektiven auf Wirklichkeit einnehmen? Bedarf es
der Ausbildung einer künstlerischen Sprache, um die kreative Neukonstruktion
einer Wirklichkeit, die in ihrer irritierenden Andersheit verbrauchte Formen
einer Alltags-, Medien- und Kunstsprache abzulösen vermag, um somit
vorgefertigte Wirklichkeitsbestimmungen zu durchbrechen?
In den KUNSTunterHALTUNGEN
fragen wir danach, wie KünstlerInnen auf diese prinzipielle Konstruiertheit von
Welt reagieren. Welches Wechselverhältnis zwischen Kunst und Wirklichkeit
aktuell besteht, welche ästhetischen Erfahrungen von Wirklichkeit im
Kunstkontext gemacht und welche Wirklichkeitsvorstellungen dadurch entworfen
werden?
- Sigrid Schade, Moderation
Professorin für
Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Universität Bremen
- Helene von Oldenburg
promovierte Agrarwissenschaftlerin
mit Diplom in Freie Kunst der Hochschule für bildende Künste in Hamburg
Arbeitsschwerpunkte: Kunsttheorie, Kuratorin und Cyberfeminismus, Mitarbeiterin
im Old Boys Network
- Nele Lipp
transdisziplinäre Künstlerin und Pädagogin aus Hamburg, realisiert
choreografische Projekte
- Winfried Neuhuber
Professor,
Leiter des Anatomischen Instituts der Universität Erlangen-Nürnberg
- Johannes L.M. Koch
Stahlbildhauer,
Leiter von kunstpädagogischen Kursen, Dozent für visuelle Kommunikation
Die dritte KUNSTunterHALTUNG
fand als Podiumsdiskussion am
Samstag, dem 6. Oktober 2001 statt.
Thema: ~ I m F l u ß ~
Veränderungen im künstlerischen Schaffen und Wandlungen der Wahrnehmung
Moderation:
- Dr. Martin R. Deppner, Hamburg,
Kommunikationswissenschaftler
Teilnehmer:
- Johannes L.M. Koch, Erlangen, Dozent, Stahlbildhauer
- Ronald Koltermann, Hamburg, Künstler
- Rüdiger Preisler, Berlin, Bildhauer, Grafik-Druckwerkstatt
- Anja Wiese, Düsseldorf/Bielefeld, Professur FB Design
Ort:
Nürnberg, Wasserwerk
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