KUNSTunterHALTUNGEN

Die KUNSTunterHALTUNGEN e. V. wurden aus dem Interesse heraus initiiert, Gespräche über Haltungen zur Kunst in Gang zu setzen. Im Unterschied zur herkömmlichen Kunstvermittlung über Fachexperten soll im direktem Dialog mit Künstlerinnen und Künstlern ein anderer unmittelbarer Zugang zur Kunst hergestellt werden. Die KUNSTunterHALTUNGEN sind ein einmal jährlich stattfindendes Symposium an wechselnden Orten. Die Veranstaltungsorte sind nicht beliebig, sondern verweisen inhaltlich auf die jeweils gewählte Thematik, ebenso wie sich die Auswahl der eingeladenen KünstlerInnen am Thema orientiert.Die Veranstaltung am 2. Oktober 99 mit dem Thema "Das Eigene und das Fremde" im Naturkundehaus des Tiergartens der Stadt Nürnberg war ein voller Erfolg. Die Besucher unterhielten sich im Anschluss an die Podiumsdiskussion in langen Gesprächen untereinander und mit den Teilnehmern. Aus dieser positiven Erfahrung heraus beschlossen die Veranstalter, einen Verein zu gründen, der als Träger für die weiteren KUNSTunterHALTUNGEN dienen soll. Der Verein wurde am 8. Februar 2000 gegründet. Er ist als gemeinnützig anerkannt.

1. Vorsitzender: Johannes L.M. Koch, Niederlindach,     Stahlbildhauer
2. Vorsitzende: Sabine Röver M.A., Nürnberg, Galeristin
Schatzmeister: Otto Röver, Nürnberg
Schriftführerin: Christina Schaub-Koch M.A., Niederlindach

Die Anschrift des Vereins ist:
KUNSTunterHALTUNGEN e.V.
Großweidenmühlstraße 19
90419 Nürnberg
Tel (09 11) 33 68 97
E-Mail info@o-roever.de

Gründungsversammlung

Interessenten können sich an diese Anschrift wenden oder eine E-Mail schicken.
Gerne informieren wir auch per Telefon oder Fax.

 

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Konstruktionen von Wirklichkeit

Die zweite KUNSTunterHALTUNG, die am 21.Oktober 2000 in Erlangen stattfand, setzte sich mit "Konstruktionen von Wirklichkeit" auf dem Gebiet der Kunst auseinander. Begleitend zu den KUNSTunterHALTUNGEN präsentierte eine Ausstellung einige Arbeiten bzw. Beiträge der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler.

Die Auffassung, dass unser Erkennen von Welt stets ein Erschaffen, Erzeugen bzw. Erfinden, eben eine Konstruktion von Wirklichkeit. ist, wird mittlerweile von einer großen Anzahl wissenschaftlicher Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Disziplinen gestützt und vertreten. Konstruktivistische Positionen besagen, dass unser Blick auf die Welt nicht von außen, aus einer übergeordneten Perspektive möglich ist und dass nichts wahrgenommen, dargestellt oder gewußt werden kann, was nicht "erfunden", das heißt auf der Basis unseres physischen Apparates und unserer psychischen Verfassung wahrgenommen wird. Erkenntnis entsteht durch die Ordnung und Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres Erlebens. Aus konstruktivistischer Sicht ist es unmöglich, jene scheinbar objektive physikalische (Außen-)Welt "realitätsadäquat" zu erkennen, insofern wir stets nur mit unseren eigenen, menschlich erzeugten Wirklichkeitskonstruktionen umgehen und auch nur diese reflektieren können.
Nicht nur die wissenschaftlichen Theorien sondern auch unsere persönlichen Lebenserfahrungen bestätigen uns alltäglich, dass es keine objektive, wertfreie Sichtweise auf Wirklichkeit gibt, sondern immer nur subjektgebundene, wechselnde Perspektiven. Dies gilt selbstverständlich auch für die Kunst. Sowohl KünstlerInnen als auch RezipientInnen gehen immer schon mit vorgegebenen Welt- und Erklärungmodellen um. Diese sind, wie die Geschichte der Kunst zeigt, keineswegs statisch, sondern zeitabhängig und veränderbar. Ging man in früheren Epochen von einer prinzipiellen Abbildbarkeit von Wirklichkeit aus, etwa in der Fotographie oder bei naturalistischen Darstellungen, so bestreitet heute niemand mehr, dass jedes Kunstwerk arrangiert, gemacht, inszeniert ist und somit eine Konstruktion von Wirklichkeit präsentiert. Eine künstlerische Arbeit funktioniert, so selbstbezüglich die einzelnen Zeichen auch angelegt sein mögen, nie ausschließlich nur im Kunstkontext. Sie läßt sich nur dann möglichst umfassend erschließen, wenn sie gedanklich und emotional mit außerkünstlerischen, gesellschaftlichen Realitäten kurzgeschlossen wird.
Da unsere Welt heute zunehmend eine von Medien dominierte Welt ist, die sich kaum mehr unvermittelt erleben läßt, beeinflussen insbesondere Bilder, neben der Sprache, unsere Vorstellungen von Wirklichkeit. Bilder gehen ein in unseren Erinnerungsspeicher, werden im kollektiven Gedächtnis aufbewahrt und für neue Interpretationen von Wirklichkeit verfügbar. Auch die Produktion und Rezeption von Kunst wird von diesen bereitgestellten Bildern geleitet. Dass die Wahrnehmungs- und Erfahrungsformen nicht nur durch die jeweiligen Medien organisiert werden, sondern dass diese auch unser Denken und unsere Handlungen strukturieren, hat schon der Medientheoretiker Marshall McLuhan erkannt. Die neuen Technologien und Medien bringen folglich auch neue Wirklichkeitsvorstellungen ins Spiel, die wiederum auf unsere Lebenswirklichkeit einwirken, unser Wahrnehmen, Denken und Handeln bestimmen.
Wie nun gehen KünstlerInnen mit dieser massiven Einflußnahme der Medien auf unser Bild von der Wirklichkeit um? Ist heute die künstlerische Auseinandersetzung mit den Wirklichkeitsentwürfen der Medien vielleicht eine der wichtigsten Herausforderungen an die Kunst? Begreifen KünstlerInnen ihr Tun, ihre Interventionen im öffentlichen Raum, als Dekonstruktion von gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktionen? Arbeiten sie daran, bislang Ausgegrenztes in ihre Bilder hereinzuholen oder reproduzieren KünstlerInnen vielmehr die dominierenden kulturellen Standards und Ästhetiken westeuropäischer Kunst? Anders ausgedrückt: Orientiert sich aktuelle Kunst an den Geschmacksbildungen einer Kunstelite oder versucht sie diese zu unterminieren, indem Kunstwerke kritisch und subversiv andere Perspektiven auf Wirklichkeit einnehmen? Bedarf es der Ausbildung einer künstlerischen Sprache, um die kreative Neukonstruktion einer Wirklichkeit, die in ihrer irritierenden Andersheit verbrauchte Formen einer Alltags-, Medien- und Kunstsprache abzulösen vermag, um somit vorgefertigte Wirklichkeitsbestimmungen zu durchbrechen?
In den KUNSTunterHALTUNGEN fragen wir danach, wie KünstlerInnen auf diese prinzipielle Konstruiertheit von Welt reagieren. Welches Wechselverhältnis zwischen Kunst und Wirklichkeit aktuell besteht, welche ästhetischen Erfahrungen von Wirklichkeit im Kunstkontext gemacht und welche Wirklichkeitsvorstellungen dadurch entworfen werden?

- Sigrid Schade, Moderation
  Professorin für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Universität Bremen
- Helene von Oldenburg
  promovierte Agrarwissenschaftlerin mit Diplom in Freie Kunst der Hochschule für bildende Künste in Hamburg
  Arbeitsschwerpunkte: Kunsttheorie, Kuratorin und Cyberfeminismus, Mitarbeiterin im Old Boys Network
- Nele Lipp
  transdisziplinäre Künstlerin und Pädagogin aus Hamburg, realisiert choreografische Projekte
- Winfried Neuhuber
  Professor, Leiter des Anatomischen Instituts der Universität Erlangen-Nürnberg
- Johannes L.M. Koch
  Stahlbildhauer, Leiter von kunstpädagogischen Kursen, Dozent für visuelle Kommunikation

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Die dritte KUNSTunterHALTUNG
fand als Podiumsdiskussion am Samstag, dem 6. Oktober 2001 statt.

Thema:         ~  I m   F l u ß  ~

Veränderungen im künstlerischen Schaffen und Wandlungen der Wahrnehmung

 

Moderation:
- Dr. Martin R. Deppner, Hamburg, Kommunikationswissenschaftler

Teilnehmer:
- Johannes L.M. Koch, Erlangen, Dozent, Stahlbildhauer
- Ronald Koltermann, Hamburg, Künstler
- Rüdiger Preisler, Berlin, Bildhauer, Grafik-Druckwerkstatt
- Anja Wiese, Düsseldorf/Bielefeld, Professur FB Design

Ort:
Nürnberg, Wasserwerk Erlenstegen



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